Babyblaue Prog-Reviews: Dyatly

Ole Lukkøye – Dyatly
(Moderne Electronica; Psychedelic; Worldmusic / Ethno)

Viel Zeit gelassen hat sich die russischen Formation Ole Lukkøye mit ihrem neuen Album. Genau genommen ist Dyatly ( russ. für „Spechte“) die erste Veröffentlichung mit neuem Material seit dem 2002 erschienen Horse-Tiger. Danach kamen für lange Jahre nur noch eine Sammlung von Archivaufnahmen (Dream of the Wind) sowie die Zusammenstellung Petroglyphs.

Die beiden Hauptmusiker der Band, Boris Bardash und „Frol“ (Alexander Frolov) sind nach wie vor dabei, dazu hat man sich um Ness Yanushkovskaya an „vocal improvisation“ sowie den Perkussionisten Yuri Lukyanchik verstärkt. Auf einem Titel sind dazu noch Gastmusiker dabei. Die Aufnahmen entstanden überwiegend live im Studio, lediglich Gesang und etwas zusätzliche Percussion wurden als Overdubs hinzugefügt.

Im Wesentlichen besteht das Album aus vier überlangen Stücken (das kurze Stück zum Schluss ist eigentlich eine Art langer Fade-out von Just Wind) mit Spielzeiten zwischen 14 und knapp 18 Minuten, und diese bieten genau die Art von Musik, die man eben von Ole Lukkøye kennt: hypnotische Rhythmen von allerlei exotischen Schlaginstrumenten bilden die Grundlage und verleihen der Musik einen tranceartigen Charakter. Dieser wird noch verstärkt durch den schamanistisch anmutenden Gesang, der von Boris Bardash und Ness Yanushkovskaya beigetragen wird; ein schöner Kontrast. Während mir Bardash durchweg in Russisch zu singen scheint, bin ich bei Ness Yanushkovskayas „vocal improvisation“ nicht sicher, ob die in einer „richtigen“ Sprache gehalten sind. Auf jeden Fall fügt der Gesang der Musik einen quasi rituellen Charakter zu, als würden sibirische Schamanen eine uralte Beschwörungszeremonie durchführen.

Bei Alexander Frolovs schnarrenden und knurrenden Einsätzen am Fagott hat man häufig den Eindruck, eher einem exotischen Blasinstrument zu lauschen. Aber es sind wohl eher seine Melodielinien, die für einen weiteren starken Ethno-Einschlag sorgen. Schließlich bringen Gitarre und die wohldosiert eingesetzte, blubbernde und zischende Elektronik eine deutliche spacig-psychedelische Komponente in die Musik, sozusagen die Verbindung von Taiga und Weltall.

Nichts sensationell Neues also von der St. Petersburger Formation. Wer die früheren Alben von Ole Lukkøye mag, wird auch mit Dyatly zufrieden sein.

Von Jochen Rindfrey, 25.5.2015
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